Die Szeneregeln

In der Graffiti-Szene gibt es bestimmte Regeln, die Werte und Normen vorgeben, die schon die Einsteiger kennen und akzeptieren.

Tag

Jeder signiert seine Bilder mit seinem persönlichen Logo, Tag genannt. Das ist zugleich das Erkennungszeichen in der Szene, damit die Bilder sofort zugeordnet werden können. Der Sprayer erhält damit eine eigene neue Identität. Es gibt aber auch ein Gruppen-Tag, mit dem die Crew z.B. ein gemeinsames Piece signiert. Das sind große Wandflächen oder ganze Züge, die illegal bemalt werden. Legale Bilder werden zumeist nicht gecrosst, also übersprüht.

Niemand darf ein Mitglied der Crew verraten

Da der Großteil der Graffiti illegal angebracht wird, also auf fremdem Eigentum, müssen die Täter mit zivil- und strafrechtlichen Folgen rechnen. Oft kommt auch noch Hausfriedensbruch dazu, wenn z.B. Bahnanlagen oder Grundstücke unbefugt betreten werden. Besonders Anfänger wissen nicht, worauf sie sich beim illegalen Sprayen einlassen. So gilt z.B. die Regel, dass niemand ein Mitglied der Crew verraten darf. Wird z.B. ein Sprayer einer Crew gefasst, haftet er für den Schaden der gesamten Gruppe, auch wenn er nur "Schmiere gestanden" hat. Das nennt man gesamtschuldnerische Haftung.

Gruppendynamik kann Kriminalität fördern

Die gefassten Täter sind von den Folgekosten oft überrascht, da sie Graffiti als Kavaliersdelikt ansehen. Vor allem die zivilrechtlichen Folgen werden falsch eingeschätzt. Die Ansprüche der Geschädigten verjähren erst nach 30 Jahren. Nicht immer gelingt es, die Strafe mit einem Täter-Opfer-Ausgleich kostengünstig aus der Welt zu schaffen. Die Szeneregeln in den Crews werden unterschiedlich gehandhabt. Bei Nichteinhaltung werden zuweilen Strafen verhängt, die sogar bis zu Körperverletzungsdelikten führen. Auch Beschaffungskriminalität und Vandalismusdelikte spielen inzwischen eine nicht unbedeutende Rolle. Diese werden vor allem durch die Gruppendynamik gefördert. Es ist deshalb nicht unproblematisch, an einzelne Mitglieder heran zu treten oder diese wieder aus der Szene zu lösen.
Präventive Maßnahmen müssen deshalb sehr früh einsetzen, damit Kinder und Jugendliche erst gar nicht in die Szene abrutschen.