Sehen, hören, erfahren und: staunen
Rückblick 2008: Drei Aktionstage als Höhepunkt der eindrucksvollen Kampagne gegen Vandalismus und illegale Graffiti unter dem Motto „Mach nicht alles kaputt“.
Es war weder in Hannover, noch in Bremen oder Braunschweig zu überhören: am Bahnhof ist was los! Schülerbands demonstrierten lautstark und ausgesprochen professionell ihr musikalisches Können und ihre Leidenschaft. Rockten und rollten, überzeugten mit schwerem Metal genauso wie mit akustischer Gitarrenmusik und swingenden Bläsersätzen. Fast jede Band überraschte zudem mit mindestens einer „Welturaufführung“.
Ein besseres Rahmenprogramm war kaum vorstellbar für diesen Schultag der besonderen Art. Hunderte Schulklassen informierten sich an den Ständen von Bahn und Polizei über Vandalismus und die Folgen von Graffiti, erfuhren von Prävention und Strafverfolgung und erkannten, dass Zerstörungen und Schmierereien alles andere als ein Kavaliersdelikt sind. Drastisch veranschaulichte der von der Deutschen Bahn präparierte „Vandalismus-Wagen“ die horrende Summe von mehr als 1,5 Millionen EUR, die die DB Regio AG allein in Niedersachsen und Bremen jährlich für die Reinigung und Reparatur ihrer Züge und Anlagen aufwenden muss.
Foto: Gekonnter Metal-Rock für einen guten Zweck: „Spheric“ von der Gauss-Schule in Braunschweig
Die Schüler inspizierten den Waggon und staunten nicht wenig: ein kleines außen gesprühtes Graffito zu entfernen kostet 100,- EUR, auf einem Sitz sogar 180,- EUR. Eine Armlehne zu reparieren schlägt mit 35,- EUR zu Buche, eine Rückenlehne mit 140,- EUR. Für die Volllackierung eines Wagens ohne Schutzfolie kommen locker 10.000,- bis 15.000,- EUR zusammen.
Obwohl bereits 2005 das Gesetz zur Bestrafung von Graffiti-Sprayern verschärft wurde, war noch immer nur wenigen der wissensdurstigen Schüler klar, dass sie für jeden zerschlitzten Sitz, für jedes zerkratzte Fenster oder jeden Tag am Bahnwagen zu zahlen haben. Das Schild „Eltern haften für ihre Kinder“ gilt schon lange nicht mehr. Wer heute bei Vandalismus und Graffiti erwischt wird und noch mit leeren Taschen dasteht, bekommt dreißig Jahre Zeit, seine Schuld zu begleichen. Mit dem „Kick“, einen „whole train“, also einen ganzen Zug besprüht zu haben, verdirbt sich der Sprüher selbst viele Jahre seines Lebens. Da nutzen auch keine Masken und Kapuzen, von Jahr zu Jahr werden immer mehr Täter entdeckt und zur Verantwortung gezogen. Besonders hoch ist die Aufklärungsquote in Braunschweig, wo inzwischen dank einer Sonderermittlungsgruppe von Polizei und Bundespolizei mehr als die Hälfte der Übeltäter erwischt werden. Es ist also durchaus auch im Interesse dieser Minderheit, wenn immer wieder an die Jugendlichen appelliert wurde, bei Straftaten nicht wegzuschauen.
Foto: Anschauungsbeispiele, welche Werte durch Vandalismus zerstört werden
Welche andere Konsequenz das Besprühen von Zügen erschreckend oft hat, zeigte die Theaterperformance des Theaterpädagogischen Zentrums der IGS Mühlenberg Hannover mit „Getting Fame – die kurze Geschichte von Atze und Dude“: Atze kann es nicht lassen. Mit einem „whole train“ zu endgültigem Ruhm zu kommen ist sein einziges Ziel. Weder Freundin noch Mutter, weder schon verhängte Strafen noch die Polizei können ihn von diesem endgültigen Kick abbringen. Es wird wirklich der endgültige. Denn er überhört einen heranrasenden Zug, gerät gemeinsam mit Kumpel Dude in einen Sog und am nächsten Tag meldet dpa: „Letzte Nacht wurden zwei Graffiti-Sprayer von einem Zug erfasst und starben.“
Foto: „Getting Fame – die kurze Geschichte von Atze und Dude“, die Theaterperformance des Theaterpädagogischen Zentrums der IGS Mühlenberg Hannover
Wie sehr schon den Schülerinnen und Schülern Vandalismus und Schmierereien gegen den Strich gehen, zeigten sie mit ihren ausgesprochen originellen Einsendungen zum Wettbewerb „Mach nicht alles kaputt“, der im Vorfeld der Aktionstage stattfand. Vom Video, für dessen Dreh sie sogar einen Polizisten einspannen konnten, bis zu Fotogeschichten und grafischen Arbeiten sprühten sie vor Ideen. Und einige kamen auf diese Weise zu Ruhm. Den Besten überreichte der Schirmherr der Kampagne gegen Vandalismus und illegale Graffiti, Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann auf großer Bühne attraktive Preise.
Foto: Gruppenbild mit Minister: Innenminister Uwe Schünemann zeichnet die Gewinner des Kreativwettbewerbes, die 8a der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule Gifhorn aus. Links im Bild: Hans Jürgen Meyer, Konzernbevollmächtigter für die Region Nord und die Länder Bremen und Niedersachsen